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Samstag, 8. Juli 2017

Projekt "stadt.land.text" startet: Zehn Stipendien für Regionsschreiber in Nordrhein-Westfalen


Autorinnen und Autoren berichten über kulturelle Vielfalt in Nordrhein-Westfalen
Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft teilt mit:
Was zeichnet den Alltag und die kulturelle Vielfalt in Nordrhein-Westfalen aus? Die Antworten liefern ab sofort zehn Regionsschreiber und Regionsschreiberinnen aus Deutschland und Österreich. Bis Ende Oktober berichten sie aus den Kulturregionen Nordrhein-Westfalens. Dabei entstehen unter anderem die „Pottcam“, ein Reise-Logbuch oder auch Kurzgeschichten. Bei der Auftaktveranstaltung des Projekts „stadt.land.text NRW 2017“ in Düsseldorf stellten sich die zehn Autorinnen und Autoren vor, die jeweils durch ein Stipendium in Höhe von 1.000 pro Monat und einen Wohnsitz in der Region unterstützt werden.

Sie berichten aus der Region Aachen (Slavica Vlahovic, Journalistin), dem Bergischen Land (Dimitri Manuel Wäsch, Psychologie-Student), Hellweg (Matthias Jochmann, Regisseur und Autor), Münsterland (Claudia Ehlert, Studentin der Kulturpoetik), Niederrhein (Deborah Kötting, freie Autorin, Künstlerin), aus Ostwestfalen-Lippe (Theresa Hahl, Künstlerin), der Rheinschiene (Marie-Alice Schultz, Autorin und Künstlerin), dem Ruhrgebiet (Melanie Huber, freie Journalistin), dem Sauerland (Christian Caravante, freier Journalist und Autor) und aus Südwestfalen (Lisa Kaufmann, Autorin). Die Arbeiten werden sowohl auf der Website www.stadt-land-text.de als auch bei Lesungen präsentiert.

Die Künstlerinnen und Künstler sind von einer unabhängigen Jury aus knapp 200 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt worden. Die Stipendien wurden anlässlich des
20-jährigen Jubiläums der Regionalen Kulturpolitik ausgelobt. Sie lehnen sich dabei bewusst an die mittelalterliche Position des Stadtschreibers an.

Die zehn ausgewählten Stipendiaten:

-           Region Aachen:
Slavica Vlahovic (*1961) hat es von Sarajewo, das sie kurz vor dem Krieg verließ, nach Köln verschlagen, wo sie als Journalistin, Autorin und Medienpädagogin u.a. für den WDR arbeitet. Mit der Serie „Mein Nachbar, das unbekannte Wesen“ war sie für den Europäischen Medienpreis für Integration nominiert. Ohne Berührungsängste, dafür mit rebellischen Willen und einem unverwechselbaren Akzent, der ihrem wilden Balkan treu geblieben ist, beginnt Slavica Vlahovic unter dem Motto „Mein Stammtisch im Wunderland“ ein neues Abenteuer in der Region Aachen.
-           Bergisches Land:
Dimitri Manuel Wäsch (*1990) stammt aus einem kleinen Ort im Rhein-Main-Gebiet und lebt aktuell in Wien, wo er Psychologie studiert. Nach dem Sprung von der ländlichen Gegend zur Metropole wird er nun ins Bergische Land kommen, das ihn dank seiner Kombination von Natur und Stadt besonders reizt. Er setzt auf seine Neugier und Kreativität, um im Rahmen des Stipendiums neue Ausdrucksformen zwischen Belletristik und journalistischem Schreiben zu finden.

-           Hellweg:
Matthias Jochmann (*11.08.1987) lebt in Frankfurt am Main und arbeitet seit seinem Studium der Angewandten Theaterwissenschaft als Regisseur und Autor für Theater und Rundfunk in Deutschland und China. Er interessiert sich für gegenseitige Abhängigkeiten von lokalen und globalen Entwicklungen und möchte, in einer sich zunehmend globalisierenden Welt, einem Sinn für Nachbarschaft und Zugehörigkeiten nachforschen.

-           Münsterland:
Claudia Ehlert (*1990) schließt diesen Sommer ihr Studium der Kulturpoetik und ein studentisches Volontariat bei der LWL-Literaturkommission für Westfalen ab. Auf einem Roadtrip durch das Münsterland plant sie die Region in einem Camping-Bulli zu durch- und erfahren. Im Blick hat sie dabei vor allem Orte, die abseits der großen Verkehrswege liegen, sowie Einheimische und WahlmünsterländerInnen, die ebenfalls ‚in Bewegung‘ sind. Sie wird in ihrem Logbuch vom Leben on the road, den Begegnungen und Fundstücken entlang des Weges berichten.

-           Niederrhein:
Deborah Kötting (*1986) arbeitet in Leipzig als freie Autorin, außerdem ist sie Co-Founderin des Künstlerduos Katharsis & Tumult und des VERLAK Verlags. Als Bühnenbildnerin war sie eine Zeit lang für das Be- und Entsorgen allerlei Ausstattung zuständig, so dass sie als Projektidee den Niederrhein beim Entrümpeln, beim Wegwerfen, Sammeln, Verkaufen, Kaufen und Feiern von Dingen begleiten möchte. Bei den entstehenden Kontakten möchte sie den Dingen auf den Grund gehen, Menschen zu ihren Gegenständen befragen und das Spezifische der Region finden.

-           Ostwestfalen-Lippe:
Theresa Hahl (*1989) ist nach einem Studium der vergleichenden und der europäischen Literaturwissenschaft als freischaffende Künstlerin in Hamburg tätig und aktiver Teil der deutschsprachigen Spoken-Word Szene. Den interaktiven Ansatz in ihrem künstlerischen Schaffen möchte sie in verschiedenen „Puzzleteilen“ in einer Lesereihe umsetzen, die das Publikum durch eigene Assoziationen und Erfahrungen bereichern soll.

-           Rheinschiene:
Marie-Alice Schultz (*1980) lebt als freie Autorin und Künstlerin in Hamburg. Nach dem Studium der Theaterwissenschaft und Germanistik in Berlin studierte sie Malerei in Wien. Für ihr Projekt über die Wiener U-Bahn „Stationen, unter anderem. (Mögliche Ansagen für den Untergrund)“ erhielt sie 2011 das Autorenstipendium der Stadt Wien. Bei stadt.land.text NRW 2017 schlägt sie die Idee einer mobilen Stadtschreiberin vor, die das Schreiben selbst in die Öffentlichkeit verlegt und Interessierte daran teilhaben lässt. Statt hinter verschlossener Tür zu arbeiten, zieht sie mit ihrem Schreibtisch in öffentliche Verkehrsmittel und hält unmittelbar fest, was sie dort beobachtet. Entlang der Schienen und Straßen erschließt sich ihr so eine Region in Bewegung. Die durchreisten Orte verbindet Marie-Alice Schultz zu einem Text-Streckennetz, das über die Dauer des Projekts stetig anwächst.

-           Ruhrgebiet:
Melanie Huber (*1988) ist als freie Lokal- und Kulturjournalistin sowie Onlinejournalistin in Kiel ansässig. Sie interessiert sich für zeitgeschichtliche Phänomene, die sich über Menschen und ihren Alltag definieren und möchte durch das literarisch-protokollarische Festhalten von Momenten, die sich auf der Straße ereignen, im Theater oder im Supermarkt das Ruhrgebiet für Außenstehende plastisch und vorstellbar machen.

-           Sauerland:
Christian Caravante (*1971) lebt in Dortmund und arbeitet als freier Journalist, Dozent und Autor. Er beschäftigt sich viel mit Fotografie & Film sowie US-Literatur der 50er und 60er Jahre, ist verheiratet und hat drei Kinder. Christian Caravante sucht den Zufall in der sehr stabil wirkenden Region Sauerland, will die Regionalgrenze abwandern und Nachbardörfer in ihren Eigenarten, sowohl in Reportagen wie literarisch, porträtieren.

-           Südwestfalen:
Lisa Kaufmann (*1990) hat es als ursprünglich Ostdeutsche mit ägyptischen Wurzeln ins Ruhrgebiet verschlagen. Die Region Südwestfalen möchte sie als passionierte Fußgängerin belaufen und per Zug bereisen, vorstellen kann sie sich auch eine kulinarische Entdeckungsreise. Für ihre Kurzgeschichten ist ihr ein direkter Austausch mit den Menschen, die in dieser Region leben wichtig, denn sie will wissen, wie sich das Leben vor Ort anfühlt, nicht nur wie es von außen aussieht.


Weitere Informationen: www.stadt-land-text.de

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Was die anderen Hochbegabten anders machen – ein Beispiel aus der Wirtschaft für die Politik

Man erkennt sie.


Es sind die kleinen Einsteins, die Picassos und die Mozarts. Sie lesen schon mit sechs Jahren „The New York Times“, korrespondieren mit fünf Jahren in Mandarin und spielen mit vier Jahren die Spatzenmesse in C-Dur. Später studieren sie dann bereits mit 14 an einer Uni und werden jüngster Professor oder jüngste Professorin.

Man kennt sie.

Dann gibt es noch die anderen.

Ihre Begabung ist nicht so offensichtlich. Oder: offensichtlich nur für Eingeweihte. Für Kennerinnen und Kenner. Wahrscheinlich stehen sie nicht in einem Labor. Ob sie mit dem Pinsel umgehen können? Seien Sie tapfer: Wohl eher nicht so. Ob sie eine Stradivari zu schätzen wissen? Hm.

Und doch haben sie ihre Begabung. Erkennbar wie gesagt fast nur für Eingeweihte.

Ein Beispiel: Ich war Mitglied in einem Verband, der das Wort „Wirtschaft“ in seinem Namen trägt. Es ging um ein Thema, das alle Menschen bewegt. Wirklich alle. Wirklich jeden. Es ging um Politik. Und um den Anlauf zu einem neuen Gesetz. Man diskutierte. Und fragte sich, wie man denn überzeugend argumentieren könnte.

Ich erwähnte den Gedanken einer Befragung. Sie kennen das: In jeder grösseren Stadt stehen diese Interviewer auf der grossen Einkaufsstrasse und wollen wissen, welche Zahnpasta, welches Waschmittel, welche Automarke Sie bevorzugen. Strasseninterviews nennen wir das. Wir, das sind meine Kolleg*innen aus der Marktforschung und ich. Ich hatte damals ein Institut für Markt- und Kommunikationsforschung. Unsere Klienten aus der Politik und Wirtschaft waren bekannt und angesehen und wir waren stolz darauf, für sie forschen zu dürfen.

In meinem Verband war das bekannt.

Ja. Sagte man: Eine Befragung auf der Strasse ist ein überzeugendes Argument. Wir – wer auch immer „wir“ sein sollte – wir stellen uns auf die Strasse und befragen die Menschen. Und dann geben wir – und das war der Sinn der Sache – das Ergebnis an den OB der Stadt. Einer von meinen Kollegen im Verband meinte dann: Ob wir wohl 50 Menschen dazu bewegen können, mit uns zu reden?

Wie, sagte ich: 50 Menschen?

Ja. Sagten die anderen. 50 Menschen wäre eine tolle Sache.

Klar sind 50 Menschen eine tolle Sache. Aber: Wie wollen wir einen OB mit den Stimmen von 50 Menschen motivieren, ein neues Gesetz in Gang zu bringen? Nach einer halben Stunde hatte man sich auf 100 Menschen geeinigt. Mit dem Zusatz: Ob wir das wohl schaffen werden?

Warum so zaghaft?

Die Jungs und Mädels, die hier zusammen sassen, waren die Menschen, die täglich über Millionen entschieden. Ihre Denkweisen waren nicht 100 oder 1.000. Es waren 1.000.000 und mehr!

Mir war klar, dass ich meine lieben Kolleginnen und Kollegen jetzt schockieren musste. Nicht weil ich Schocks mag – aber ich musste ihnen schon sagen, wie so etwas in der Realität funktioniert. Dass man an den verantwortlichen Stellen – sorry – 100 Menschen als Beweis nicht gelten lassen wird. Man wird schmunzeln und zur Tagesordnung übergehen.

Noch bevor ich den Gedanken: „Wie sag‘ ich es das denn jetzt?“ zu einem Satz modellieren konnte, war es raus:

1.000 INTERVIEWS!
1.000 Interviews?

Das Entsetzen war gross. Nur unser Präsident war begeistert. Und dann ging das los, was zumeist los geht, wenn ein Hochbegabter – eine Hochbegabte – eine Idee und einen Weg vor Augen hat: GEHT NICHT! FUNKTIONIERT NICHT! SCHAFFEN WIR NICHT! WIR SIND DOCH NICHT VERRÜCKT! WER SOLL DAS DENN ALLES ZAHLEN?

Ich hörte mir das eine Stunde an, während ich das Konzept schrieb, die Umsetzung des Konzepts plante und einen Entwurf für den Fragebogen entwarf. Unser Präsident hatte mich aus den Augenwinkeln beobachtet und rief mich auf – nach vorne zu kommen und die Einzelheiten zu präsentieren. Gesagt. Getan.
Wir fanden über 50 Mitglieder aus dem Wirtschafts-Verband, die mitmachten. Manager*innen, die ich mit meinem Team für diesen Einsatz schulte. Es waren wohl die Interviewer*innen mit den höchsten Stundenlöhnen, die hier und heute ehrenamtlich auf die Strasse gingen und sehr mutig die Menschen nach ihrer Meinung befragten.

Um Mitternacht hatten wir 1.037 Interviews geschafft. Alle von meinen Forscherkollegen und mir kontrolliert. Alle perfekt. Es war ein harter Job – aber selten habe ich ein Team von fast 100 „Mitarbeiter*innen“ so begeistert arbeiten gesehen.

Am nächsten Morgen wurde noch einmal kontrolliert. Und dann gingen die Fragebögen ins Rechenzentrum zur Uni. Ich schrieb dazu einen Bericht für die Präsentation. Mein Team zeigte einen bewundernswerten Einsatz. Und so konnte ich meiner Assistentin auch nicht die Bitte abschlagen, die Ergebnisse beim OB präsentieren zu dürfen.

Der OB schien sehr zufrieden. Und so wanderten unsere Ergebnisse weiter „nach oben“. Und so wurde aus unserer Idee der Beweis, dass die Menschen diese Verbesserung ihres Alltags wirklich wollten.

Schliesslich wurde aus dem Beweis ein Gesetz in Deutschland, das jedem Menschen den Alltag etwas besser macht. Zur Freude der Menschen.
Nein, so faszinierend wie ein Picasso ist dieses Gesetz nicht.

Aber es erleichtert seitdem allen Menschen ihr Leben. Und das Tag für Tag in Deutschland.

Wenn Sie Unternehmer*in sind: Gründen Sie einen Think Tank mit Ihren Hochbegabten und allen, die mutig sind und gross denken und handeln können. Dann sind Sie nicht nur Ihre Probleme los. Sie haben auch die Chance, die Welt ein bisschen besser machen zu können.

Was sagte John F. Kennedy in seiner Antrittsrede am 20. Januar 1961 in Washington, D.C.:

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt (…) fragt, was wir gemeinsam tun können für die Freiheit des Menschen.“ [1]

Lilli Cremer-Altgeld
Mobil 0049 1575 5167 001


Was die anderen Hochbegabten anders machen – ein Beispiel aus der Wirtschaft für die Politik

Man erkennt sie.


Es sind die kleinen Einsteins, die Picassos und die Mozarts. Sie lesen schon mit sechs Jahren „The New York Times“, korrespondieren mit fünf Jahren in Mandarin und spielen mit vier Jahren die Spatzenmesse in C-Dur. Später studieren sie dann bereits mit 14 an einer Uni und werden jüngster Professor oder jüngste Professorin.

Man kennt sie.

Dann gibt es noch die anderen.

Ihre Begabung ist nicht so offensichtlich. Oder: offensichtlich nur für Eingeweihte. Für Kennerinnen und Kenner. Wahrscheinlich stehen sie nicht in einem Labor. Ob sie mit dem Pinsel umgehen können? Seien Sie tapfer: Wohl eher nicht so. Ob sie eine Stradivari zu schätzen wissen? Hm.

Und doch haben sie ihre Begabung. Erkennbar wie gesagt fast nur für Eingeweihte.

Ein Beispiel: Ich war Mitglied in einem Verband, der das Wort „Wirtschaft“ in seinem Namen trägt. Es ging um ein Thema, das alle Menschen bewegt. Wirklich alle. Wirklich jeden. Es ging um Politik. Und um den Anlauf zu einem neuen Gesetz. Man diskutierte. Und fragte sich, wie man denn überzeugend argumentieren könnte.

Ich erwähnte den Gedanken einer Befragung. Sie kennen das: In jeder grösseren Stadt stehen diese Interviewer auf der grossen Einkaufsstrasse und wollen wissen, welche Zahnpasta, welches Waschmittel, welche Automarke Sie bevorzugen. Strasseninterviews nennen wir das. Wir, das sind meine Kolleg*innen aus der Marktforschung und ich. Ich hatte damals ein Institut für Markt- und Kommunikationsforschung. Unsere Klienten aus der Politik und Wirtschaft waren bekannt und angesehen und wir waren stolz darauf, für sie forschen zu dürfen.

In meinem Verband war das bekannt.

Ja. Sagte man: Eine Befragung auf der Strasse ist ein überzeugendes Argument. Wir – wer auch immer „wir“ sein sollte – wir stellen uns auf die Strasse und befragen die Menschen. Und dann geben wir – und das war der Sinn der Sache – das Ergebnis an den OB der Stadt. Einer von meinen Kollegen im Verband meinte dann: Ob wir wohl 50 Menschen dazu bewegen können, mit uns zu reden?

Wie, sagte ich: 50 Menschen?

Ja. Sagten die anderen. 50 Menschen wäre eine tolle Sache.

Klar sind 50 Menschen eine tolle Sache. Aber: Wie wollen wir einen OB mit den Stimmen von 50 Menschen motivieren, ein neues Gesetz in Gang zu bringen? Nach einer halben Stunde hatte man sich auf 100 Menschen geeinigt. Mit dem Zusatz: Ob wir das wohl schaffen werden?

Warum so zaghaft?

Die Jungs und Mädels, die hier zusammen sassen, waren die Menschen, die täglich über Millionen entschieden. Ihre Denkweisen waren nicht 100 oder 1.000. Es waren 1.000.000 und mehr!

Mir war klar, dass ich meine lieben Kolleginnen und Kollegen jetzt schockieren musste. Nicht weil ich Schocks mag – aber ich musste ihnen schon sagen, wie so etwas in der Realität funktioniert. Dass man an den verantwortlichen Stellen – sorry – 100 Menschen als Beweis nicht gelten lassen wird. Man wird schmunzeln und zur Tagesordnung übergehen.

Noch bevor ich den Gedanken: „Wie sag‘ ich es das denn jetzt?“ zu einem Satz modellieren konnte, war es raus:

1.000 INTERVIEWS!
1.000 Interviews?

Das Entsetzen war gross. Nur unser Präsident war begeistert. Und dann ging das los, was zumeist los geht, wenn ein Hochbegabter – eine Hochbegabte – eine Idee und einen Weg vor Augen hat: GEHT NICHT! FUNKTIONIERT NICHT! SCHAFFEN WIR NICHT! WIR SIND DOCH NICHT VERRÜCKT! WER SOLL DAS DENN ALLES ZAHLEN?

Ich hörte mir das eine Stunde an, während ich das Konzept schrieb, die Umsetzung des Konzepts plante und einen Entwurf für den Fragebogen entwarf. Unser Präsident hatte mich aus den Augenwinkeln beobachtet und rief mich auf – nach vorne zu kommen und die Einzelheiten zu präsentieren. Gesagt. Getan.
Wir fanden über 50 Mitglieder aus dem Wirtschafts-Verband, die mitmachten. Manager*innen, die ich mit meinem Team für diesen Einsatz schulte. Es waren wohl die Interviewer*innen mit den höchsten Stundenlöhnen, die hier und heute ehrenamtlich auf die Strasse gingen und sehr mutig die Menschen nach ihrer Meinung befragten.

Um Mitternacht hatten wir 1.037 Interviews geschafft. Alle von meinen Forscherkollegen und mir kontrolliert. Alle perfekt. Es war ein harter Job – aber selten habe ich ein Team von fast 100 „Mitarbeiter*innen“ so begeistert arbeiten gesehen.

Am nächsten Morgen wurde noch einmal kontrolliert. Und dann gingen die Fragebögen ins Rechenzentrum zur Uni. Ich schrieb dazu einen Bericht für die Präsentation. Mein Team zeigte einen bewundernswerten Einsatz. Und so konnte ich meiner Assistentin auch nicht die Bitte abschlagen, die Ergebnisse beim OB präsentieren zu dürfen.

Der OB schien sehr zufrieden. Und so wanderten unsere Ergebnisse weiter „nach oben“. Und so wurde aus unserer Idee der Beweis, dass die Menschen diese Verbesserung ihres Alltags wirklich wollten.

Schliesslich wurde aus dem Beweis ein Gesetz in Deutschland, das jedem Menschen den Alltag etwas besser macht. Zur Freude der Menschen.
Nein, so faszinierend wie ein Picasso ist dieses Gesetz nicht.

Aber es erleichtert seitdem allen Menschen ihr Leben. Und das Tag für Tag in Deutschland.

Wenn Sie Unternehmer*in sind: Gründen Sie einen Think Tank mit Ihren Hochbegabten und allen, die mutig sind und gross denken und handeln können. Dann sind Sie nicht nur Ihre Probleme los. Sie haben auch die Chance, die Welt ein bisschen besser machen zu können.

Was sagte John F. Kennedy in seiner Antrittsrede am 20. Januar 1961 in Washington, D.C.:

„Fragt nicht, was euer Land für euch tun kann - fragt, was ihr für euer Land tun könnt (…) fragt, was wir gemeinsam tun können für die Freiheit des Menschen.“ [1]

Lilli Cremer-Altgeld
Mobil 0049 1575 5167 001


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